Gesundheitsförderung mit der Feldenkrais® Methode
Moshé Feldenkrais | Feldenkrais® Methode
Awareness Through Movement® | Functional Integration®
Wenn die Prognosen der WHO valide sind - und es gibt keinen Grund, an der prognostizierten dramatischen Zunahme stressbedingter Erkrankungen in den hoch entwickelten Industriestaaten zu zweifeln - so werden in Zukunft kaum bewältigbare Kosten auf die medizinischen Versorgungssysteme und damit auf die Krankenkassen dieser Länder zukommen. Absehbar ist nicht nur eine enorme Zunahme stress-bedingter somatischer Erkrankungen (vor allem die durch muskuläre Verspannungen verursachten langfristigen Schäden des Halte- und Bewegungsapparates und die durch permanent erhöhten Sympathikotonus verursachten cardiovaskulären Störungen). Es ist auch mit einem dramatischen Anstieg stress- und angstbedingter psychischer Erkrankungen zu rechnen (Angststörungen, Depressionen, Suchterkrankungen, Zwangsstörungen, Burn-out-Syndrome etc.).
Nur vordergründig scheint diese Entwicklung durch eine zunehmende berufliche Belastung der arbeitenden Bevölkerung bedingt zu sein. Wesentlich bedeutsamer dürfte eine ständig abnehmende Fähigkeit der Menschen in den hoch entwickelten Industriestaaten sein, mit psychischen Belastungen umzugehen. Zu viele Menschen leiden an Stress, weil sie über zu geringe Ressourcen zur Stressbewältigung verfügen. Hierzu zählt eine unzureichende Fähigkeit zur Selbstregulation und zur Selbstreflexion, zu schwach entwickelte Kontrollüberzeugungen und Selbstwirksamkeitskonzepte, zu gering ausgebildete Frustrationstoleranz und Flexibilität. Bei vielen sind Konfliktlösungskompetenz, die Planungs- und Handlungskompetenz und die Fähigkeit zur konstruktiven Beziehungsgestaltung nur unzureichend entwickelt. Diese Menschen erleben sich allzu leicht als ohnmächtig, als ausgeliefert und fremdbestimmt.
Dieser Mangel an eigenen Ressourcen zur Stressbewältigung wird noch enorm verstärkt durch einen hohen Erwartungsdruck, durch eigene unrealistische Vorstellungen und durch einen Mangel an kohärenten, Sinn-stiftenden und Halt-bietenden Orientierungen.
Diese Defizite sind nicht erst im oder durch das Berufsleben entstanden. Sie sind eine zwangsläufige Folge früher, oft schon während der Kindheit, spätestens aber in der Schule und während der Ausbildung gemachter und im Berufsleben weiter bestärkter Erfahrungen eigener Unzulänglichkeit, unzureichender psychosozialer Unterstützung und fehlender Orientierungen.
Mit anderen Worten heißt das: In den hoch entwickelten Industriestaaten gibt es für zu viele Menschen während der Phase der Hirnentwicklung zu wenige stärkende und stark machende und dafür zu viele schwächende und schwach machende Erfahrungen.
Wie die neueren Ergebnisse der Hirnforschung zeigen, werden Erfahrungen immer gleichzeitig auf der kognitiven, auf der emotionalen und auf der körperlichen Ebene in Form entsprechender Denk-, Gefühls- und körperlicher Reaktionsmuster verankert und aneinander gekoppelt. (>Embodiment<)
Aus diesem Grund sind alle späteren Versuche, die Stressbewältigungsfähigkeit von Menschen durch kognitive Fortbildungsprogramme zu verbessern, zwangsläufig zum Scheitern verurteilt, wenn dabei nicht gleichzeitig auch die emotionale (Gefühle, Einstellungen, Haltungen) und die körperliche Ebene (Bewegung, Körperbeherrschung, Körperhaltung) mit einbezogen werden. Die Menschen müssen die neuen Erfahrungen (von Selbstwirksamkeit, Gestaltungskraft und -lust, von Kompetenz und Selbstreflexion) am eigenen Körper und unter Aktivierung ihrer emotionalen Zentren machen, damit sie nachhaltig in Form entsprechender neuronaler Verschaltungsmuster in ihrem Gehirn verankert werden können. Nur so lässt sich ihre Resilienz, also ihre Stressbewältigungsfähigkeit, auch noch im Erwachsenenalter stärken.
Ein Verfahren, das sich hierfür außerordentlich gut eignet und das sich bereits seit Jahrzehnten im praktischen Einsatz bewährt hat, ist die Feldenkrais® Methode.
(Herzlichen Dank für die Erlaubnis diesen Text auf meiner Homepage zu veröffentlichen an Herrn Prof. Dr. Gerald Hüther, Zentralstelle für neurobiologische Präventionsforschung, Universität Göttingen und Universität Heidelberg)
Dr. Moshé Feldenkrais wurde 1904 in Russland geboren und emigrierte als Jugendlicher nach Palästina. Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt als Bauarbeiter und Nachhilfelehrer. Er war ein begeisterter Fußballspieler und übte Jiu-Jitsu aus (eine waffenlose Selbstverteidigung).
1928 ging Feldenkrais nach Paris und absolvierte ein Ingenieurstudium in Maschinenbau und Elektrotechnik. Er erwarb an der Sorbonne einen Doktortitel in angewandter Physik und arbeitete mit Frederic Joliot-Curie zusammen in der Atomforschung. Gleichzeitig gründete er, von Professor Jigoro Kano beauftragt, den Judoclub de Paris und erhielt 1936 als erster Europäer den schwarzen Gürtel zweiten Grades. Er begann Judo zu unterrichten und Bücher darüber zu schreiben.
1940 musste Feldenkrais vor den Deutschen aus Paris nach England fliehen. In Schottland arbeitete er in der U-Boot-Ortungs-Forschung der Alliierten. Nebenbei hielt er wissenschaftliche Vorträge und gab Judo-Stunden. In dieser Zeit verschlimmerte sich eine alte Fußballverletzung an den Knien. Die Operationsaussichten waren damals noch wenig vielversprechend. Er begann mit sich selbst zu experimentieren, studierte seine Körperbewegungen und verfeinerte systematisch sein kinästhetisches Empfinden. So brachte er sich nach und nach bei, auf eine neue Weise, effizient und ohne Schmerzen zu gehen. Der Erfolg dieser Selbsterziehung führte dazu, dass Feldenkrais seine Entdeckungen im Bekanntenkreis ausprobierte und schließlich zu einer Lernmethode weiterentwickelte.
1951 kehrte Moshé Feldenkrais nach Israel zurück. Er arbeitete zunächst als Direktor der elektronischen Abteilung der israelischen Armee. Bald aber widmete er sich ausschließlich dem Thema Lernen. Er befasste sich mit dem Zusammenhang von menschlicher Entwicklung, Lernen und Bewegung. Er war hierbei Forschender, Praktizierender, Lehrender und Lernender zugleich. Ihm lag an einer Überwindung des Denkens in Gegensätzen (Theorie-Praxis; Körper-Geist; westliche-östliche Tradition). In den Denkmustern der Sprache sah er das größte Hindernis, integriert und integrierend zu denken, zu handeln und - last not least - über seine Arbeit zu schreiben. Gleichwohl hat Moshé Feldenkrais, im Grunde stets Wissenschaftler geblieben, zahlreiche Publikationen über seine Lernmethode vorgelegt (Schriftenverzeichnis in Czetczok 1995, 27ff).
1968 begann er in Israel seine erste Ausbildungsgruppe. Es folgten zwei weitere Ausbildungen in den USA. Seit Mitte der 70er Jahre fand Feldenkrais internationale Anerkennung für seine Arbeit.
Moshé Feldenkrais starb 1984 in Israel.
(Text entnommen aus Pieper/Weise, FELDENKRAIS, Bibliothek der Feldenkrais-Gilde e.V. Nr.12, 9 f.)
Die Feldenkrais®-Methode lädt zu einer Entdeckungsreise ein, um Beweglichkeit, Mühelosigkeit, Kreativität etc. für Beruf und Alltag wieder zu finden. Die Lektionen zielen auf den gesamten Bewegungsapparat und schulen auf effektive Weise Körper und Geist - sie schaffen Bewusstheit durch Bewegung.
Erfahrungen prägen uns von Beginn unseres Lebens an - Liebe, Hoffnung, Trauer, Freude, Angst, Ehrgeiz. Schwierigkeiten im körperlichen und seelischen Bereich äußern sich nicht nur in unserer Psyche, sondern finden direkten Ausdruck in unserem gesamten Organismus. Nicht zuletzt in unserer Bewegung, in unserer inneren und äußeren Haltung.
Die Methode erreichte internationale Anerkennung, weil sie es erlaubt, Haltung, Beweglichkeit, Koordination und Selbstbild zu verbessern, sowie muskuläre Spannungen oder Schmerzen zu vermindern. Sie beinhaltet zwei überzeugende und einfallsreiche Anwendungen: "Bewusstheit durch Bewegung" (in der Gruppe) und "Funktionale Integration" (Einzelstunden). Beide Techniken basieren auf der selben Theorie und nutzen die Fähigkeit des Nervensystems wirksamere und klügere Handlungsweisen selbst zu organisieren.
Awareness Through Movement® - Bewusstheit durch Bewegung® wird meistens in Form von Gruppenstunden angeboten, wobei die SchülerInnen am Boden auf Matten liegen, knien, sitzen oder stehen. Die Lehrerin leitet verbal durch die Bewegungssequenzen. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Bewegungen, sondern um aufeinander aufbauende Bewegungsabläufe, die der "ordnungssuchenden Funktion des Nervensystems" (Feldenkrais, Die Entdeckung des Selbstverständlichen, 1987, 192) entsprechen.
Durch das behutsame Spiel mit neuen und ungewohnten Bewegungsmöglichkeiten entdeckt man seine ganz persönliche Art und Weise sich zu bewegen. Dabei gibt es kein "richtig" oder "falsch". Die aufeinander aufbauenden Bewegungsvorschläge stellen vielmehr einen Rahmen dar, innerhalb dessen die SchülerInnen experimentieren. Muskeln werden nicht trainiert sondern koordiniert. Der Mensch lernt sich sinnvoll, nicht kraftvoll zu bewegen. Der Maßstab ist die eigene Empfindung. Spielerisch und fast unmerklich werden die eigenen Grenzen überwunden und die Bewegungsmöglichkeiten erweitert. Man lernt seine Fähigkeiten besser einzusetzen - sein Potential zu nutzen, um sich auch im Alltag und auf Dauer müheloser zu bewegen.
Functional Integration® - Funktionale Integration® ist die Bezeichnung für die Einzelstunden in der Feldenkrais-Methode. Diese finden weitgehend nonverbal statt. Die SchülerIn bleibt bekleidet und liegt meistens auf einer speziell für die Feldenkraisarbeit angefertigten Liege. Der Unterricht kann jedoch auch im Sitzen, im Stehen oder Gehen stattfinden.
Die Feldenkrais-Pädagogin gibt der SchülerIn mittels feiner Berührungen und Bewegungen die Möglichkeit wahrzunehmen, wie sie sich selbst organisiert. Die SchülerIn erfährt weiters über diesen Weg das Angebot neue Bewegungsmuster auszuprobieren - das "Bewegungsvokabular" zu erweitern.
Funktionale Integration ist keine Behandlung im medizinischen Sinn und sollte auch nicht als Ersatz dafür benutzt werden. Nichts desto weniger kann sich die FI manchmal für Menschen als hilfreich erweisen, die sich in einem Zustand befinden, in dem medizinische Behandlung angezeigt ist, oder sie kann eine Ergänzung der ärztlichen Bemühungen sein.
Das Unbehagen und Unvermögen, das mit einem (schlechten) Zustand einhergeht, resultiert oft gleich viel aus der Art und Weise, wie man auf diesen Zustand reagiert als aus dem Zustand selbst. Durch Funktionale Integration können Sie neue Wege und Möglichkeiten lernen, in der Welt zu sein und auf sie zu reagieren, und das mit einer Leichtigkeit und Bequemlichkeit, die sie vorher nicht kannten.







